{"id":940,"date":"2011-06-15T10:54:20","date_gmt":"2011-06-15T10:54:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.littlepharao.de\/?page_id=940"},"modified":"2011-08-25T12:32:52","modified_gmt":"2011-08-25T12:32:52","slug":"das-fruhstuck-am-freitag","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.littlepharao.de\/?page_id=940","title":{"rendered":"Das Fr\u00fchst\u00fcck am Freitag"},"content":{"rendered":"<p>Am fr\u00fchen Morgen erklingt der Ruf f\u00fcr das Morgend\u00e4mmerungsgebet aus allen Ecken der Stadt. Es beginnt immer ganz leise und durch die verschiedenen Moscheen wird der Ruf immer lauter. Alle Menschen sind im tiefen Schlaf. Der Vater h\u00f6rt den Ruf und \u00fcberlegt sich, soll ich oder soll ich nicht? Die ganze Familie schl\u00e4ft noch. Es ist kalt, wir sind im Winter. Alle haben sich unter der warmen Decke versteckt. Der Ruf geht weiter und da ert\u00f6nen die Worte \u201eBeten ist besser als Schlafen\u201c. Das Gewissen des Vaters wird immer schlechter. Er entscheidet sich aufzustehen und das Gebet zu verrichten. Als er wach ist stellt er fest, heute ist Freitag. Der Ruhetag. \u201eDas ist sehr sch\u00f6n. Ich kann dann nachher weiter schlafen\u201c, \u00fcberlegt er zufrieden. Er geht ins Bad macht sich fertig f\u00fcr das Gebet. Die Frau schl\u00e4ft und die Kinder auch. Er breitet seinen Teppich auf dem Boden aus und betet. Das Sch\u00f6nste an dem Morgengebet ist die Ruhe. Es ist alles ruhig. Man f\u00fchlt sich in direkter Verbindung mit Allah. Das ist sehr sch\u00f6n. Dieses Gebet soll das k\u00fcrzeste Gebet vom ganzen Tag sein, aber vor lauter Ruhe sp\u00fcrt man die Zeit nicht. Nach dem Gebet setzt er sich auf den Teppich und liest im Koran. Bei den Muslimen ist es eine Sitte\u00a0am Freitag etwas aus dem Koran zu lesen. Der Freitag ist ein heiliger Tag im Islam. An diesem Tag sind f\u00fcnf gro\u00dfe Ereignisse im Islam geschehen:\u00a0 Adam ist geschaffen worden. Adam ist aus dem Paradies vertrieben worden und auf der Erde gelandet. Am Freitag ist der Prophet Mohamed in den Himmel gefahren (Himmelsfahrt). Es gibt eine Stunde an diesem Tag, wenn man sich in ihr etwas von Allah w\u00fcnscht, wird es wahr. An diesem Tag wird die Welt eines Tages ihr Ende finden und die Menschen werden Allah gegen\u00fcberstehen. Diese f\u00fcnf Elemente erkl\u00e4ren die gro\u00dfe Bedeutung, die der Freitag f\u00fcr alle Muslime auf der ganzen Welt hat.<\/p>\n<p>Der Vater versucht nach seinem Gebet wieder ins Bett zu gehen, aber er kann es nicht mehr. Er ist jetzt richtig wach geworden. Er geht in die K\u00fcche, kocht sich ein sch\u00f6nes Glas Tee. Die \u00c4gypter trinken gerne Tee, fast zu jeder Tageszeit. Die Tageszeitung h\u00e4ngt an der T\u00fcr. Er holt die Zeitung und bl\u00e4ttert in ihr und genie\u00dft den warmen Tee. Das ist nicht immer sch\u00f6n, was in der Zeitung steht. Es geh\u00f6rt aber dazu bei fast allen gebildeten \u00c4gyptern die Zeitung am fr\u00fchen Morgen zu lesen. Die Selbstst\u00e4ndigen und die freien Mitarbeiter machen das zu Hause. Die Beamten machen das gerne im B\u00fcro bei der Arbeit und w\u00e4hrend des Fr\u00fchst\u00fccks. Das kann auch ein Grund sein eine Pause zu machen. Wenn Jemand fragt, wo ist er oder wo ist sie, dann hei\u00dft es sie sind beim Fr\u00fchst\u00fcck. An der ersten Stelle werden die Regierungszeitungen gelesen aber heute werden immer mehr die Zeitungen der anderen Parteien gelesen. Inzwischen gibt es in \u00c4gypten einige Zeitungen, die nicht von einer Partei abh\u00e4ngig sind. Sie schreiben sehr vern\u00fcnftig \u00fcber alles, und das ist sehr gut. Sie sind inzwischen stabil und weit verbreitet. Der Vater bleibt lieber bei der normalen Regierungszeitung, da sieht das Leben sch\u00f6ner aus, und die Hoffnung ist immer gro\u00df und das ist, was ein Vater f\u00fcr seine Familie braucht.<\/p>\n<p>Er ist fertig mit der Zeitung und \u00fcberlegt sich nun, was kann ich Besonderes heute f\u00fcr die Familie zum Fr\u00fchst\u00fcck machen. Normalerweise ist das die Verantwortung der Mutter und sie macht es jeden Tag sehr gut, aber er will es heute am freien Tag selber machen. Er zieht sich seinen Mantel an und geht raus. Es ist hell geworden, aber die Stra\u00dfen sind ganz ruhig und leer. Es ist Freitag, sie schlafen alle noch. Er nimmt einen kleinen Topf mit und geht zu dem wichtigsten Mann f\u00fcrs Fr\u00fchst\u00fcck am Freitag. Es ist der Verk\u00e4ufer f\u00fcr die gekochten Bohnen und die sogenannten Felafel. Die Bohnen werden fast die ganze Nacht in einem gro\u00dfen Topf auf ruhiges Feuer gestellt und werden sehr langsam gekocht, dann sind sie nicht so hart sondern ganz weich. Je ruhiger das Feuer ist desto besser der Geschmack. Die Felafel das ist eine Mischung von Bohnen und Gem\u00fcse, die zusammengepresst werden bis sie eine gr\u00fcne Paste ergeben. Sie wird dann in kleine B\u00e4llchen geformt und im \u00d6l gebraten. Der Verk\u00e4ufer f\u00fcr die Felafel und Foul (Bohnen) kommt jeden morgen fr\u00fch mit seinem Eselkarren und bringt das frische Fr\u00fchst\u00fcck mit. Manche essen gerne am Karren selber. Da hat er extra kleine Teller und dazukommt das frische Fladenbrot und die Zwiebeln. Die Bohnen werden auf dem Teller dann mit allen m\u00f6glichen Gew\u00fcrzen gemischt (Salz, Pfeffer, Sesamsauce, \u00d6l, etwas Scharfes darf auch dazu). Der Verk\u00e4ufer steht immer an seinem Karren in der Mitte, und um den Karren rum sind viele Menschen, die die Bohnen kaufen wollen. Die anderen sitzen dann abseits um essen zu k\u00f6nnen. Sein Esel steht befreit von dem Karren an der Seite und hat was zum Fressen, und diese Szenen kann man jeden Tag an der Stra\u00dfenecke beobachten.<\/p>\n<p>Der Vater kauft das Fr\u00fchst\u00fcck und geht zur\u00fcck nach Hause. Jeden Tag wird normalerweise Brot und K\u00e4se gefr\u00fchst\u00fcckt. Schafsk\u00e4se und Brot geh\u00f6ren immer auf jeden Tisch und auch die Marmelade, die meistens zu Hause gemacht wird. Tee (schwarzer Tee) oder Tee mit Milch und viel Zucker wird gerne zum Fr\u00fchst\u00fcck getrunken. Das Fladenbrot wird alle zwei Tage gekauft und es kann im K\u00fchlschrank aufbewahrt werden und dann einfach auf dem Herd in ein paar Sekunden warm und zum Essen bereit gemacht werden. Der Vater will heute ein besonders frisches Fr\u00fchst\u00fcck f\u00fcr die Familie vorbereiten. Er hat alles auf den Tisch gestellt, das Wasser f\u00fcr den Tee gekocht und nun muss er nur noch die ganze Familie wecken.<\/p>\n<p>Der Vater geht durch die Wohnung und versucht viel L\u00e4rm zu machen, um die ganze Familie wecken zu k\u00f6nnen. Der Vater hat das Sagen zu Hause (zumindest ist er davon \u00fcberzeugt) und wenn nicht muss die Familie so leben als ob es so w\u00e4re. Endlich geht er in die Zimmer und weckt die Frau und die drei Kinder. In den \u00e4gyptischen Familien, die in der Stadt Kairo leben, liegt die durchschnittliche Zahl der Kinder zwischen 2 und 3. Auf dem Lande ist die Zahl h\u00f6her und liegt bei 5 oder 6. Der Vater geht zuerst zu den Jungen ins Zimmer und weckt sie und als letztes geht er zur Tochter. Sie ist die K\u00f6nigin des Hauses und das st\u00f6rt niemanden. Die Br\u00fcder wissen sogar, dass sie auf ihre Schwester aufpassen m\u00fcssen. Die Mutter steht auf und ist positiv \u00fcberrascht: das ganze Essen f\u00fcr das Fr\u00fchst\u00fcck ist da! Der Vater l\u00e4chelt so ganz leicht. Er ist ganz stolz darauf und geht so wie ein Hahn mit hoch erhobenem Kopf und Kamm. Nachdem jeder das Morgengebet verrichtet hat, sitzen nun alle am Tisch. Die warmen leckeren Bohnen stehen in der Mitte des Tisches, sodass jeder einfach mit zugreifen kann. In einem anderen Teller liegen die Felafel, daneben sind verschiedene Sorten von K\u00e4se angerichtet. Das frische Fladenbrot und Gl\u00e4ser mit Tee und Milchtee, Tomaten, Gurken und Zwiebeln stehen ebenfalls bereit. Der Vater fragt ganz stolz: \u201eUnd wie schmeckt es?\u201c Das Salz war zu viel in den Bohnen, da lachen die Kinder und sagen es ist wunderbar. Die Mutter schaut sich alles ganz kritisch an und sagt: \u201eEs ist nicht schlecht f\u00fcr einen Mann\u201c. Die \u00e4gyptische Frau f\u00fchlt sich immer sehr bedroht, wenn der Mann in die K\u00fcche geht und etwas macht, besonders wenn er es gut macht. Sie sucht immer nach irgendetwas, das nicht in Ordnung ist. Das Interessante ist, dass wenn die Frauen miteinander sitzen, da sagt jede Frau zu der anderen: \u201cMein Mann tut gar nichts zu Hause. Ich muss alles selber machen mit der K\u00fcche, dem Essen, dem Haushalt und allem\u201c. Das stimmt auch zum Gro\u00dfteil, aber manchmal gehen auch die \u00e4gyptischen M\u00e4nner in die K\u00fcche und versuchen etwas Gutes zu machen. Zur Gem\u00fctlichkeit wird dann mit der Hand gegessen. Die Kinder lernen nat\u00fcrlich mit dem Besteck zu essen, aber bei so einem Fr\u00fchst\u00fcck am Freitag wird lieber mit der Hand gegessen. \u00c4gyptischer w\u00e4re es auch, auf dem Boden zu sitzen, im Kreis, um einen kleinen Tisch herum, der \u201etabliea\u201c hei\u00dft. Das ist ein kleiner runder Tisch aus Holz, ungef\u00e4hr 40 bis 50 cm hoch und ein Durchmesser von 1 Meter. Unsere Familie hier ist irgendwie ein bisschen modern geworden. Das Fr\u00fchst\u00fcck ist zu Ende und jeder bedankt sich bei dem lieben Vater f\u00fcr das frische Fr\u00fchst\u00fcck und nun geht jeder in sein Zimmer und bereitet sich f\u00fcr den Rest des Tages vor.<\/p>\n<p>Ziad Anwar<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am fr\u00fchen Morgen erklingt der Ruf f\u00fcr das Morgend\u00e4mmerungsgebet aus allen Ecken der Stadt. Es beginnt immer ganz leise und durch die verschiedenen Moscheen wird der Ruf immer lauter. Alle Menschen sind im tiefen Schlaf. 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